(Auszug aus dem "Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland" (1997) - Band 11, Bayern A - H, S. 279 - 280)
Informationen zur Geschichte und zu den historischen Buchbeständen der UB Erlangen-Nürnberg finden Sie auf unserer Homepage.
- Der Bestand umfaßt ca. 9000 Bände, davon ca. 600 aus dem 16. Jahrhundert, ca. 2200 aus dem 17. Jahrhundert, ca. 2700 aus dem 18. Jahrhundert und ca. 3500 aus dem 19. Jahrhundert. Da das Fach zu den ältesten und bestgepflegten der Bibliothek gehört, bildete der Bestand die Grundlage für das ab 1949 eingerichtete Sondersammelgebiet der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Den Grundstock bildete die Bibliothek des Erlanger Philosophen Christian Masius (1711 - 1787), die 1787 an die Bibliothek fiel. Von seinen ca. 5000 Titeln in 6000 Bänden waren mehr als die Hälfte philosophische Werke des 17. und 18. Jahrhunderts, einige auch des 16 Jahrhunderts. Der Schwerpunkt lag bei Werken der Aufklärungsphilosophie mit wichtigen Standardwerken und einer Vielzahl ergänzender Titel. Von Christian Wolff sind fast alle Werkausgaben vorhanden, von Christian Thomasius ca. 80 Titel. Weitere Bestandszuwächse kamen aus den Markgrafenbibliotheken, meist aus dem Besitz der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, sowie aus Altdorf, vornehmlich aus den Bibliotheken Trew und Stöberlein (Leipzig 1570), und Schriften zu Lehrmethoden (20 Bände des 16. bis 18. Jahrhunderts).
- Der Systematische Katalog wurde im Fach Philosophie sorgfältig geführt. Die erste Großgruppe umfaßt Gesamtwerke, nach Epochen gegliedert, in ca. 400 Bänden. Auf eine kleine Gruppe griechischer Philosophen folgen Philosophen des 16. Jahrhunderts, die insbesondere den Platonismus und die Naturphilosophie vertreten. Von Hieronymus Cardanus sind ca. 60 Titel vorhanden, davon 40 aus dem 16. Jahrhundert. Genannt seien Libelli quinque (Nürnberg 1547) und De subtilitate, das in 7 Ausgaben des 16. Jahrhunderts vorliegt, 6 davon aus der Bibliothek Trew. Von Marsilius Ficinus sei die Schrift Liber de voluptate (Venedig 1497) erwähnt. Ebenfalls reich ist der Bestand an humanistischen Werken, u.a. von Melanchthon (35 Titel des 16. Jahrhunderts, darunter mehrere Ausgaben der Ethicae doctrinae) und Jakob Zabarella, Opera (Frankfurt 1587). Im Bestand des 17. und 18. Jahrhunderts finden sich Werkausgaben englischer, französischer und niederländischer Philosophen. Zur englischen Philosophie finden sich ca. 200 Bände des 17. und 18. Jahrhunderts u.a. von Thomas Hobbes, George Berkeley und David Hume. Bei den französischen Philosophen dominieren Descartes (25 Titel), Diderot, d'Alembert, Voltaire und Rousseau (insgesamt ca. 80 Bände). Die Niederlande sind durch Petrus Gassendus und zahlrreiche Werke Spinozas vertreten (ca. 70 Bände des 17. bis 19. Jahrhunderts).
- Werke der Aufklärung prägen auch den deutschsprachigen Bestand (insgesamt ca. 2500 Bände des 17. bis 19. Jahrhunderts mit Schwerpunkt im 19. Jahrhundert). Besonders gut präsentiert sind Christian Wolff (ca. 400 Bände, einschließlich Sekundärliteratur), Christian Thomasius (ca. 80 Titel) und Leibniz (50 Ausgaben des 18. und 19. Jahrhunderts sowie umfangreiche Sekundärliteratur). Werke der Popularphilosophie des 18. Jahrhunderts, u.a. von Johann Bernhard Basedow, Moses Mendelssohn, Johann Sulzer und Johann Buhle schließen sich an. Breiten Raum nimmt die Philosophie seit Kant ein. Kant selbst ist mit ca. 75 Bänden vertreten, es folgen Fichte (ca. 70), Friedrich Heinrich Jacobi, Schelling (ca. 40), Schleiermacher (ca. 35), Franz von Baader, Hegel, Johann Herbart und Schopenhauer. Die Sekundärliteratur ist umfangreich.
- Werke zur Geschichte der Philosophie bilden mit ca. 1500 Bänden des 16. bis 19. Jahrhunderts die zweite Großgruppe. Zur antiken Philosophie ist zu nennen Alexandre Savérien, Histoire des philosophes anciens (Paris 1771 - 1772) aus Markgrafenbesitz; aus der Bibliothek Trew stammt Aristoteles' Problemata (Venedig 1501), übersetzt von Theodor Gaza. Es folgen Schriften zu den einzelnen Disziplinen wie Logik (ca. 800 Bände des 16. bis 19. Jahrhunderts, u.a. Melanchthon, De dialectica, Augsburg 1542) und Metaphysik (ca. 800 Bände des 16. bis 19. Jahrhunderts, u.a. Johann Heinrich Alsted, Metaphysica, Herborn 1613). Die Gruppe Naturphilosophie (ca. 500 Bände des 16. bis 19. Jahrhunderts) ist ebenfalls umfangreich und umfaßt neben den genannten Vertretern (s.o. 2) auch Werke von Georg Bachmann (De nutritione animalis, Leipzig 1588) und Johann Wucherer. Anthropologie, Psychologie und Mnemonik folgen mit ca. 800 Bänden, wobei das 18. und 19. Jahrhundert stark überwiegen. Die Moralphilosophie nimmt ca. 800 Bände des 16. bis 19. Jahrhunderts ein, u.a. mit Werken von Johann Buddeus und Johann Seybold. Werke zur Rechtsphilosophie, Ästhetik, Religionsphilosophie und Geschichtsphilosophie schließen sich an. Der Zeitschriftenbestand umfaßt ca. 50 Titel, darunter das von Johann Heinrich Abicht herausgegebene Philosophische Journal (Erlangen 1794 - 1795) und Salomon Maimon, Magazin zur Erfahrungsseelenkunde (Berlin 1783 - 1793).
- Insgesamt zeichnet sich der philosophische Bestand seit der Inkunabelzeit durch besondere Dichte aus. Durch die Art der Provenienzen, wie markgräfliche und Gelehrtenbibliotheken, bedingt, ist besonders humanistisches Gedankengut und Aufklärungsschrifttum seit dem 17. Jahrhundert vertreten. Werke zum Naturrecht und zur Naturreligion, die einen Teil der Aufklärungsphilosophie ausmachen, stehen auch in den Fächern Theologie und Jura, so daß der Gesamtbestand am philosophischen Titeln erheblich höher liegt. Dazu kommt, daß französische Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts häufig an den alten Standorten "Kammer" (Signatur Kr.) und "Expeditionszimmer" (Signatur Ez.) belassen wurde. Aus dem 17. Jahrhundert sind zahlreiche in Nürnberg gedruckte Titel vorhanden, z.B. Charles Sorel, Von menschlicher Vollkommenheit (Nürnberg 1660), aus dem Besitz Masius. Stark vertreten sind die protestantischen Philosophen seit dem Humanismus, so daß sich hier Überschneidungen mit dem Fach Theologie ergeben. Genannt sei Melanchthons Erotemata (Wittenberg 1620), ein Altdorfer Exemplar, mit Schreibpapier durchschossen. Erwähnenswert sind auch Altdorfer Drucke, z.B. Jakob Wilhelm Feuerlein, Cursus philosophiae eclecticae, im Selbstverlag 1727 erscheinen.


