Ein Wissenschaftler zu Open Access

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Ein Wissenschaftler zu Open Access

Der Open Access-Beauftragte der Universitätsleitung, Prof. Dr. Olaf Gefeller, im Interview:

Warum finden Sie persönlich die Idee Open Access so faszinierend?

Das Internet hat mit seinen vielfältigen Möglichkeiten des direkten und in weiten Teilen kostenfreien Zugriffs auf Informationen aller Art bereits weite Teile unseres Lebens revolutioniert. Die Open Access Idee trägt dies konsequent in die Wissenschaft hinein. Dadurch erlangen weltweit breitere Kreise als bisher direkten und kostenfreien Zugriff auf wissenschaftliche Primärinformation.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte Vorteil von Open Access
a) für den Wissenschaftler?

Der Wissenschaft rezipierende Wissenschaftler hat durch Open Access leichtere Zugriffsmöglichkeiten auf eine Vielzahl wissenschaftlicher Publikationen, ohne von finanziellen Schranken behindert zu werden. Der Wissenschaft produzierende Wissenschaftler hat durch Open Access die Möglichkeit, seine Arbeit einem breiteren Leserkreis zugänglich zu machen. Zudem kann er anders als bisher seine eigenen Publikationen auch in der Lehre seinen Studenten elektronisch zur Verfügung stellen.

b) für die interessierte Öffentlichkeit?

Die interessierte Öffentlichkeit hat erst durch Open Access eine Chance auf einen direkten Zugriff auf wissenschaftliche Primärinformation. Dies stellt einen Schritt auf dem Weg in die Wissensgesellschaft der Zukunft dar und bietet zudem ein Korrektiv für die aktuell mächtige Rolle der Medien in der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die interessierte Öffentlichkeit.

Was sind Ihrer Meinung nach die Nachteile von Open Access?

In manchen Medien wird eine absurde Schwarzmalerei hinsichtlich möglicher Gefahren im Zusammenhang mit einer Popularisierung von Open Access betrieben. Von einer Einschränkung der wissenschaftlichen Freiheit, einem Niedergang des Verlagswesens und einem Aussterben jeglicher gedruckter Wissenschaftsliteratur ist in diesen weitgehend faktenfreien Horrorszenarien zu lesen. Ich kann weder die Motive der Autoren solcher Schmähschriften nachvollziehen, noch empfinde ich Verständnis für die dort verbreiteten Ansichten. Unstrittig richtig ist allerdings, dass auch Open Access kein Paradies für alle ist. Im Vergleich zum traditionellen System kommt es bei Open Access zu einer Verschiebung der Kosten von den Lesern zu den Autoren wissenschaftlicher Publikationen. Gerade in denjenigen Wissenschaftsbereichen, in denen Wissenschaftler derzeit als Autor noch Geld für Publikationen erhalten, dürfte ein solcher Systemwechsel nicht nur Begeisterungsstürme auslösen und sich eventuell sogar dauerhaft nur schwer durchsetzen. In anderen Wissenschaftsbereichen greift der Open Access Gedanke schon jetzt um sich und erfreut sich wachsender Akzeptanz. An der Universität Erlangen-Nürnberg wird dies aktuell dadurch unterstützt, dass Autoren die ihnen entstehenden Kosten von Open Access Publikationen über den "Fonds Open Access Publizieren" erstattet bekommen.

Biografische Details zu Prof. Dr. rer. nat. Olaf Gefeller, geb. 25.06.1962 in Recklinghausen; Werdegang: Studium des Diplomstudiengangs Statistik an der Universität Dortmund mit anschließender Promotion in Statistik; wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Medizinischen Fakultäten der Universitäten Bochum und Göttingen; Fortbildungsstudium an der Tufts University (Boston, USA); Habilitation an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen; Gerhard-Hess-Preisträger der Deutschen Forschungsgemeinschaft; Gastprofessuren an den Universitäten Louvain-la-Neuve (Belgien) und Limburg (Belgien) im Rahmen eines EU-Förderprogramms; seit 01.01.1999 Inhaber des Lehrstuhls für Biometrie und Epidemiologie und Direktor des Instituts für Medizininformatik, Biometrie und Epidemiologie an der Universität Erlangen-Nürnberg.